Neueste Beiträge

“Extrem dünn: Die Promi-Damen im Magerwahn”, “Herzogin Kate: Treibt der Druck auch sie in die Magersucht?” Schlagzeilen wie diese machen mich wütend. Die Boulevardpresse berichtet über Essstörungen in der Promiwelt und macht dabei keinen Unterschied zwischen dem Schlankheitswahn in der Gesellschaft und der tatsächlichen Diagnose Magersucht (Anorexia nervosa).

Heute sind doch alle magersüchtig – so habe ich, Nora Burgard-Arp, mein Projekt genannt, das aufklären und Vorurteile abschaffen soll. Und ich möchte damit eine Gegenbewegung zum aktuellen Trend der Berichterstattung setzen: Ich will die Krankheit, die hinter dem Begriff

Merkmale Anorexia Nervosa*

  • iBMI unter 17,5
  • iGewichtsverlust
    (selbst herbeigeführt)

  • iKörperschemastörung
  • iEndokrine Störungen

*nach ICD-10 Klassifizierung

“Magersucht” steht, wieder in den Vordergrund rücken. Magersucht ist mehr als nur der Hashtag #thighgap. Dahinter steckt mehr als nur das Verfolgen eines Schönheitsideals.

Auf dieser Webseite konfrontiere ich das verzerrte Bild der Anorexie mit wissenschaftlichen Fakten und echten Beispielen aus dem Leben von Menschen, die an Magersucht erkrankt sind. Obwohl die Boulevardmedien Magersucht immer wieder im Programm haben, ist und bleibt sie eine seltene Krankheit: Es gibt zwar in Deutschland keine offiziell bestätigten Zahlen zur Häufigkeit dieser Essstörung, die Zahl der Erkrankten wird aber auf 0,3 bis 1 Prozent der Bevölkerung geschätzt.

Essstörung ist nicht gleich Essstörung! Neben der Anorexie unterscheidet man zwei weitere Hauptformen:

Bulimie (Bulimia nervosa)
Die Erkrankten verschlingen in regelmäßig auftretenden Fressattacken bis zu 10.000 Kilokalorien (kcal). Danach versuchen sie der dadurch drohenden Gewichtszunahme entgegenzusteuern: Sie erbrechen absichtlich, hungern erneut, treiben exzessiv Sport oder benutzen Abführmittel. In den meisten Fällen sind Bulimiker normalgewichtig. Auch wenn der Anteil an Frauen höher ist: Von der Krankheit können ebenfalls wie bei der Anorexie sowohl Frauen als auch Männer betroffen sein.
Binge Eating
Ähnlich wie bei der Bulimie treten auch hier unkontrollierte Fressattacken auf, die stundenlang dauern können. Im Gegensatz zu den Bulimie-Kranken, behalten die Betroffenen das Gegessene bei sich und haben dementsprechend häufig Übergewicht.

Alle Essstörungen können sich abwechseln und ineinander übergehen. Bei schätzungsweise 20 Prozent der Anorexie-Kranken entwickelt sich zum Beispiel im Laufe der Zeit aus der Magersucht eine Bulimie. Zudem gibt es zahlreiche Zwischen- und Mischformen wie die bulimische Anorexie, auch Anorexia Purging-Typ genannt, bei der die Erkrankten zwar keine bulimischen Fressattacken haben, das Gegessene jedoch auch erbrechen.

Die Wissenschaft forscht seit Jahrzehnten an den Gründen und Ausprägungen der Anorexia nervosa. Trotzdem sind viele Fragen noch unbeantwortet. Ich möchte diese Fragen beleuchten, den aktuellen Forschungsstand präsentieren und zur Debatte anregen.

Und ich will zeigen, dass nicht alle magersüchtig sind, die sich nach einer schlanken Figur sehnen oder wenig essen. Die Ausprägungen einer echten Anorexie und ihre Symptome – sie können ganz unterschiedlich sein. Die Magersucht lässt sich eben nicht in eine Schublade packen.

  • Die Magersucht war und ist „jemand“, der leider immer wieder auftaucht und versucht, über mein Verhalten zu bestimmen, mein Leben einzunehmen und mir vorzuschreiben, wie ich seiner Meinung nach leben soll.
  • Die Essstörung bestimmt seit ich 17 Jahre alt bin jeden einzelnen Tag meines Lebens. Es gibt Phasen, da fühle ich mich einigermaßen unabhängig, aber die meiste Zeit steuert sie meinen Tag, mein Essen, meine Gedanken und Gefühle.
  • Ich habe für die Magersucht gelebt. Sie war meine beste Freundin, meine bessere Hälfte. Sie hat mich perfekt gemacht und ich konnte mich so als Mensch akzeptieren. Ich konnte ihr alles anvertrauen, mich bei ihr fallen lassen und sie hat mir Halt, Struktur und einen Lebenssinn gegeben
  • Die für mich sehr unangenehme Ausführung der Essstörung im Alltag war mir vertraut und wenn ich am Boden bin, ist es ein angenehmes Gefühl, an einen vertrauten Ort zurückzugehen
  • Anorexia is my everything. It is my time planner, my motivation to do something and my excuse not to do something. It is the reason for my pride as well as my shame, my joy and my pain. It is my strength and my weakness, my friend and my foe, my armor and my Achilles’ heel.
  • Ich wollte die Krankheit lange nicht aufgeben, weil sie mir ein Gefühl von Stärke und Selbstkontrolle gegeben hat, was ich brauchte.

Über die Autorin

Nora Burgard-Arp
Nora Burgard-Arp arbeitet als freie Journalistin und Autorin in Hamburg. Seit Oktober 2013 absolviert sie zusätzlich das berufsbegleitende Masterprogramm „Digital Journalism“ an der Hamburg Media School.

Fotos

Die Umsetzung der Fotoreihe "Anorexie - Daily Essentials" entstand in Zusammenarbeit mit Nina Gschlößl und Lucia Tollens.