Magersuchtsforscher Stephan Zipfel: “Ich sehe nur Teile vom Puzzle”


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Seit über 25 Jahren arbeitet Stephan Zipfel schon mit magersüchtigen Patienten – und noch immer gibt ihm die Krankheit viele Rätsel auf. Von einem umfassenden wissenschaftlichen Bild der Anorexie sei man noch weit entfernt, sagt der Internist und Psychotherapeut im Interview.


Herr Zipfel, Magersüchtige schaffen es, ihren eigenen Hungerantrieb außer Kraft zu setzen und nichts mehr zu essen. Gibt es in der Forschung schon Hinweise darauf, warum dies so ist?


Es gibt also ganz unterschiedliche Gründe, warum Menschen mit Magersucht ihren Hunger länger aushalten als gesunde Menschen. Sie nennen dies “übersteuern”. Heißt das, die Patienten sind in gewisser Weise “stärker” als dieses Hungergefühl?


Als Außenstehender ist natürlich genau diese Kompetenz faszinierend. Beziehungsweise es ist sehr schwer zu verstehen, wie sie es schaffen, den Hunger zu unterdrücken.


Gibt es, trotz der vielen individuellen Gründen, eine Charaktereigenschaft, die alle gemeinsam haben? Zum Beispiel die große Disziplin und den Perfektionismus, von denen man im Bezug auf Magersucht soviel hört?

Gibt es, trotz der vielen individuellen Gründen, eine Charaktereigenschaft, die alle gemeinsam haben? Zum Beispiel die große Disziplin und den Perfektionismus, von denen man im Bezug auf Magersucht soviel hört?


Gibt es in der Therapie einen Punkt, an dem Sie als Psychotherapeut und Arzt erkennen: Jetzt hat ein Patient gute Chancen auf Heilung?


Nehmen wir an, eine Patientin ist stark von außen beeinflusst und wird zum Beispiel von ihren Eltern zur Therapie gedrängt. Kommt es in diesen Fällen, vor, dass sie sich auch täuschen lassen? Oder erkennen Sie schnell, wenn jemand nicht aus eigener Motivation kommt?


Wie wichtig ist denn das Umfeld des Patienten für einen Therapieerfolg? Oder anders gefragt: Wie können die Angehörigen am besten mithelfen?